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Wirtschaft und Arbeit

von Martin Siemer

Die Wirtschaft im Oldenburger Land: Innovativ und dynamisch in die Zukunft mit etabliertem Branchenmix

Der Landkreis Oldenburg gehört seit Jahren zu den wachstumsstarken Landkreises. Das wird zum einen durch die Oberzentren Bremen und Oldenburg und die kreisfreie Stadt Delmenhorst begünstigt. Andererseits ist die Wirtschaft im Landkreis eine solide Mischung aus Handel, Handwerk, Industrie und Dienstleistung.

Gerade im Dienstleistungsbereich haben sich in den vergangenen Jahren viele Unternehmen im Landkreis Oldenburg niedergelassen. Mit der Folge, dass sowohl die Zahl der Beschäftigten als auch die Wertschöpfung in diesem Bereich kontinuierlich steigt. Das zeigen auch die regelmäßigen Statistiken der IHK Oldenburg.

Die beiden Oberzentren Bremen und Oldenburg bilden zugleich aber auch eine Zange um den Landkreis. Denn noch immer pendeln von den 54.343 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Landkreis 34.595 oder 63,7 Prozent zur Arbeit in einen anderen Kreis. Gleichzeitig pendeln 15.653 Beschäftigte, die in einem anderen Kreis wohnen, zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in den Landkreis Oldenburg. Der Saldo von Aus- und Einpendlern beläuft sich damit auf Minus 18.942.

In Industrie stellt dabei etwa ein Viertel der Arbeitsplätze.

„In diesem Spannungs- und Konkurrenzfeld bewegen wir uns“, erläutert Hans-Werner Aschoff, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Landkreis Oldenburg (WLO).

Die Unternehmen im Landkreis Oldenburg stellen sich diesen Rahmenbedingungen. Die Wirtschaft ist geprägt durch einen soliden Mittelstand.

Vor allem in der Kreisstadt Wildeshausen, in Ganderkesee, Hude und Wardenburg finden sich die Schwerpunkte der gewerblichen und industriellen Wirtschaft. In den übrigen Kommunen im Kreisgebiet spielt eher die Landwirtschaft eine größere Rolle. Eine Ausnahme bildet dabei die Gemeinde Großenkneten. Dort ist die Konversion des ehemaligen Fliegerhorstes der Bundeswehr zum Industrie- und Gewerbepark erfolgreich gelungen.

Zu den erfolgreichen Mittelständler im Landkreis gehören unter anderem der Baumaschinenhersteller Atlas und Meyer Technik in Ganderkesee.

Das Amazonenwerk produziert in Hude und BÜFA in Altmoorhausen. In Aldrup bei Wildeshausen hat mit Agrarfrost einer der größten deutschen Hersteller von tiefgefrorenen Lebensmitteln auf Kartoffelbasis seinen Stammsitz.

Die HIT Hafen und Industrietechnik betreibt von Wardenburg aus ihr internationales Geschäft im Bereich der Steuerungs- und Automatisierungstechnik für Industrie und Wirtschaft.

Hochwertige Küchenausstattungen entstehen bei der Firma Roland in Harpstedt. Produkte aus dem Hause Roland findet man in über 200 gastronomischen Einrichtungen und mehr als 60 Mega-Yachten. Im Gewerbepark Simmerhausen hat mit Remondis einer der großen deutschen Abfallsentsorger eine Niederlassung. Gleich nebenan sitzt mit Waden ein moderner Eierkoch- und Schälbetrieb.

Gräper in Ahlhorn in der Gemeinde Großenkneten produziert mit mehr als 10-jähriger Erfahrung Trafostationen für die Versorgungswirtschaft, Betonfertigteile und Kalksandsteinprodukte.

Der Maschinenbau ist einer der wichtigen Wirtschaftszweige. In dem Kommunen im Landkreis sind außerdem Elektroindustrie, Feinmechanik, Optik oder auch die Verarbeitung von Steinen und Erden zu finden

Allen Unternehmen gemein ist die Tatsache, dass viele Innovationen und Entwicklungen von diesen Mittelständlern auf den Weg gebracht werden. Oftmals in Kooperation mit den Universitäten der Region, wie der Uni Oldenburg, der Jade-Hochschule oder der Hochschule Emden/Leer.

Insgesamt wertete Hans-Werner Aschoff die Wirtschaft im Landkreis auf einer soliden Basis. Mit Blick auf den Arbeitsmarkt herrscht quasi Vollbeschäftigung. Auch in der Region ist deutlich der Mangel an gut ausgebildeten Arbeitnehmern spürbar.

Auch Landrat Carsten Harings sieht den Landkreis mit seinem breiten Mittelstand gut aufgestellt. „Das macht den Landkreis robuster in kritischen Situationen und war die Grundlage dafür, dass wir die Bankenkrise 2008 / 2009 so schnell hinter uns gelassen haben.

Gut aufgestellt bedeutet aber nicht, dass wir nachlassen dürfen, die vorhandenen Potenziale der Wirtschaft zu fördern und zu unterstützen.“

Das zeigt sich auch in den historisch niedrigen Arbeitslosenzahlen, die im ersten Halbjahr 2019 bei 3,2 Prozent lag.

Zu den Anstrengungen gehört auch die Ausweisung von weiteren Industrie- und Gewerbeflächen. Aschoff zitiert dazu den chinesischen Philosophen Laotse. „Die kannst in deinem Sandkasten die schönsten Schaufeln, die größten Eimer und die buntesten Förmchen haben und findet doch keinen Spielkameraden, wenn kein Sand im Kasten ist.“ Er unterstreicht damit, dass die wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis nur weitergeht, wenn entsprechende Flächen vorgehalten werden.

In Hockensberg in der Gemeinde Dötlingen entsteht vor diesem Hintergrund das erste interkommunale Gewerbegebiet, welches von Dötlingen, der Stadt Wildeshausen und der Gemeinde Prinzhöfte gemeinsam entwickelt wird.

Der Autor Martin Siemer ist Freier Journalist in Wildeshausen

 

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