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Was lange währt, wird richtig schnell

von Martin Siemer

Erste Stufe beim Breitbandausbau im Landkreis Oldenburg ist auf der Zielgeraden

Von Martin Siemer

Landkreis Oldenburg. Die Digitalisierung soll den Datenaustausch beschleunigen. Beim Breitbandausbau im Landkreis Oldenburg hätten sich die beteiligten Kommunen vermutlich auch mehr Geschwindigkeit gewünscht. Das zumindest wurde am Montagvormittag im Rathaus der Gemeinde Dötlingen in Neerstedt deutlich. Der Landkreis und die Gemeinden hatten gemeinsam mit dem Kommunikationsdienstleister EWE Tel zum Gespräch eingeladen, um über den aktuellen Stand beim Breitbandausbau zu informieren.

Die gute Nachricht: Im ersten Quartal 2019 sollen recht viele Standorte für das schnelle Internet freigeschaltet werden. Das zumindest kündigte Projektleiter Daniel Böttcher von der EWE Tel an. „In 86 von 108 Projektgebieten sind die Tiefbauarbeiten erfolgreich beendet. In weiteren 22 Gebieten laufen die Arbeiten planmäßig und werden in diesem Jahr durchgeführt“, sagte Böttcher. Damit kann das erste Förderverfahren voraussichtlich in diesem Jahr vollständig abgeschlossen werden. Rund drei Jahre hat es von der Festlegung des ersten Ausbauprojektes bis zur Realisierung gedauert. Deutlich zu lange, wie Landrat Carsten Harings kritisierte. „Das war und ist ein unheimlich schwieriges Verfahren“, blickte er zurück. Dabei seien sichere und schnelle Internetanschlüsse ein wesentlicher Standortfaktor. Dem pflichtete auch Herwig Wöbse, Bürgermeister der Samtgemeinde Harpstedt, bei: „Den Bürgerinnen und Bürgerin ist eine gute Breitbandversorgung oftmals wichtiger als eine vollständig intakte Infrastruktur.“ Wenn man nicht wolle, dass die kleineren Gemeinden veröden, dann müsse man sich diesem Thema weiter widmen.

Eine nationale Aufgabe

Harings sieht den Ausbau immer noch als eine nationale Aufgabe. Gleichwohl hätten auch der Landkreis und die Kommunen Verantwortung übernommen. „Und das machen wir in eindrucksvoller Weise“, sagte der Landrat am Montag. Erste Gespräche zum Breitbandausbau im Landkreis Oldenburg hatte es bereits 2014 gegeben. Der Ausbau im Kreisgebiet wird durch Fördermittel des Bundes, der Europäischen Union sowie durch Eigenmittel des Landkreises Oldenburg und der Gemeinden finanziert. Die EWE Tel selbst investiert nach eigenen Angaben rund 7,8 Millionen Euro in diese erste Ausbaustufe.

In den 108 bislang unterversorgten Gebieten werden dann über 3800 Haushalte und 225 Unternehmen von schnellen Internetanschlüssen profitieren. In der Gemeinde Dötlingen gibt es 17 Projektgebiete, in Ganderkesee sind es sechs, in der Samtgemeinde Harpstedt mit den acht Mitgliedsgemeinden 21 Projektgebiete und in der Stadt Wildeshausen elf. Insgesamt musste die EWE für die vorbereitenden Maßnahmen rund 145 Kilometer Tiefbauarbeiten vergeben. „Das war eine Herausforderung, weil alle Bauunternehmen aus der Region stark ausgelastet waren“, sagte Böttcher. Dennoch haben man das Planungssoll einhalten können. Der Planer hofft nun, dass das frostige Wetter nicht all zu lange anhält, damit auch die restlichen Tiefbauarbeiten fristgerecht abgearbeitet werden können.

Die EWE beginnt nun damit, die technische Aufschaltung der Anschlüsse vorzubereiten und umzusetzen. Dabei erfolgt in 20 Projektgebieten ein Glasfaserdirektanschluss, im Fachkreisen „Fiber to the Building/Home“ (FTTB/H) genannt. Dabei wird das Glasfaserkabel direkt ins Haus gelegt. Für die Endkunden der EWE ist dieser Hausanschluss derzeit kostenlos. Die restlichen 88 Gebiete werden als VDSL-Ausbau (FTTC, Fiber to the Curb/ Bordsteinkante) erschlossen. Dazu rüstet die EWE 43 bestehende Kabelverzweiger auf und errichtet 45 zusätzliche.

„Nach der Freigabe der Anschlüsse werden wir alle Haushalte und Unternehmen, die von dem Ausbau profitieren, rechtzeitig informieren und ansprechen“, kündigte Hendrik Lüürs, Kommunalbetreuer der EWE Netz, an. Lüürs betonte dabei, dass auch andere Telekommunikationsanbieter die moderne Leitungstechnik der EWE nutzen können. In der Vergangenheit hatte zum Beispiel die Telekom einigen Kunden gekündigt, weil sie in den Gebieten der EWE angeblich keine höheren Datenraten anbieten konnte.

Nach dem Abschluss der ersten Ausbaustufe wird es ein weiteres Förderverfahren geben. „Dieses Verfahren läuft seit Mitte Juli 2017, wir haben aber noch keine vollständige Mittelzusage“, sagte Landrat Harings. Während der Bund seine Fördermittel bereits zugesagt habe, warte man beim Land Niedersachsen noch auf eine Freigabe der Fördergelder. Die EWE kündigte am Montag an, sich erneut um dieses Verfahren zu bewerben. Dann sollen auch die letzten weißen Flecken in der digitalen Breitbandlandkarte des

Weser Kurier / Delmenhorster Kurier, Ausgabe 22. Januar 2019

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