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Neuer Investor für Industriegebiet

von Martin Siemer

Planungen für Wildeshausen-West gehen in eine neue Runde

Hätte Michael Ende, Autor der „Unendlichen Geschichte“, auch das Drehbuch für das Industriegebiet Wildeshausen-West geschrieben, er hätte ein neues Kapitel einfügen müssen. Bürgermeister Jens Kuraschinski teilte während der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bau und Umwelt mit, dass es zwei neue Investoren gebe. Als konkreten Verhandlungspartner nannte Wirtschaftsförderer Claus Marx die Stuttgarter Nanz-Gruppe. Ein weiterer Investor kommt offenkundig aus der Region.

Die Nanz-Gruppe möchte im geplanten Industriegebiet an der Autobahn 1 einen Autohof errichten. Das hatte 2018 bereits Investor Harro Taube aus Cadenberge im Landkreis Cuxhaven geplant. Dessen Pläne zerplatzten allerdings im vergangenen Herbst, als Taube für sein Unternehmen Insolvenz anmelden musste. Taube hatte seinerzeit Gespräche mit der Eigentümergemeinschaft Gerd Eilers/Karsten Scheele geführt und sich nach eigenen Angaben zehn Hektar Fläche in dem Bereich gesichert. Aufgrund ständiger Nachforderungen seitens eines der beiden Vertragspartner kam es jedoch nicht zu einem endgültigen Kaufabschluss.

Nach Angaben von Claus Marx hat es nun intensive Gespräche mit der Nanz-Gruppe gegeben. Auch deren Vertreter hätten bereits mit den Grundeigentümern gesprochen. Optional könnte Nanz nicht nur den für den Autohof benötigten Bereich entwickeln, sondern die gesamte Fläche. Das hätte für die Stadt einen immensen Kosten- und Risikovorteil. Denn in den aktuellen Berechnungen sind die bislang einkalkulierten Fördergelder in Höhe von 4,8 Millionen Euro sowie die Erlöse aus einem möglichen Sandabbau auf den Flächen der Stadt nicht mehr berücksichtigt.

Genau das war der Grund, weshalb die Gruppe Bündnis90/Grüne/Piraten ein Moratorium, also eine Beendigung der Planungen, beantragt hatte. Uwe Bock (Piraten) nannte in seinem Antrag Kosten von bis zu 25 Millionen Euro, die auf die Stadt in den kommenden zehn bis 15 Jahren zukommen könnten. „Durch die Insolvenz des Hauptinvestors und den nicht klaren Besitz- und Verkaufsabsichten der Grundstücksverkäufer ist es nicht möglich, dieses Vorhaben in den nächsten zehn Jahren zu den von der Stadt Wildeshausen angegebenen Kosten zu realisieren“, schreibt Bock in seinem Antrag.

Bock kritisierte zudem, dass für die Flächen, die die Stadt erworben hat, ein höherer Preis gezahlt wurde. 340 000 Euro legte die Stadt Wildeshausen für 7,5 Hektar auf den Tisch. Der Ankauf erfolgte erst, nachdem die Planungen bekannt wurden und sich die Quadratmeterpreise für das ursprüngliche Brachland deutlich nach oben orientiert hatten.
Überhaupt gab es zu den bisher aufgelaufenen Kosten unterschiedliche Ansichten. Hermann Hitz (UWG) sprach von 865 000 Euro, die der Steuerzahler seit Anbeginn der Planungen getragen habe. Claus Marx addierte dagegen seit 2016 lediglich 465 000 Euro zusammen.

Marx betonte, dass die Stadt vor allem die Interessen der heimischen Unternehmen im Fokus habe. Deshalb gebe es bei der Entwicklung des Areals mehrere Varianten. So könnte die Nanz-Gruppe nur den vorderen Teil entwickeln oder aber die gesamte Fläche. Auch könne die Stadt einen kleinen Teil selbst erschließen und für Wildeshauser Unternehmen zur Verfügung stellen, die erweitern oder umsiedeln wollen. Die Stadt hat unter anderem ein Interesse daran, den Kunststoffverarbeiter Grashorn aus der Stadt auszusiedeln. Die frei werdende Gewerbefläche könnte für eine innenstadtnahe Wohnbebauung genutzt werden.

Marx sprach von elf bis 15 Hektar, die die Stadt in Wildeshausen-West in Eigenregie übernehmen könnte. Bei einer Gesamtnettonutzfläche von 26 Hektar wäre dies aber nicht ein kleiner Teil des gesamten Planungsbereichs.

Wildeshausen wäre nur einer von zehn möglichen Standorten in Deutschland, an denen die Nanz-Gruppe Autohöfe errichten will. Über den Planungsstand sind diese jedoch noch nicht hinausgekommen. Die als Auto-Reise-Center betitelten Autohöfe könnten unter anderem an der A 44 bei Breuna und an der Autobahn 7-Abfahrt Evendorf entstehen. Neben Stellplätzen für Laster und Autos ist auch ein Hotel vorgesehen. An den beiden Standorten Breuna und Evendorf sollen jeweils 80 Arbeitsplätze entstehen.

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