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„Natürlich Gemeinsam!“ erfolgreich

von Martin Siemer

Inklusives Gartenprojekt in Wildeshausen von den Vereinten Nationen ausgezeichnet

Wildeshausen. Den Garten unterhalb der Wallanlagen am Westertor kennen wohl nur die wenigsten Wildeshauser. Die grüne Oase wird seit einigen Jahren vom Verein „Grüner Planet“ bewirtschaftet. Seit 2018 geschieht dies gemeinsam mit Menschen aus der Diakonie Himmelsthür und Ehrenamtlichen der Freiwilligenagentur Misch-Mit. Was vielen Wildeshausern vielleicht verborgen blieb, wurde bei den Vereinten Nationen (UN) mit großem Interesse wahrgenommen. Denn das Gartenprojekt „Natürlich Gemeinsam!“ ist jetzt offizieller Teil der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“.

In der vergangenen Woche überreichte Landrat Carsten Harings die Urkunden an die drei Projektorganisationen, natürlich im grünen Gartenrefugium. Thorben Kienert, Leiter der Freiwilligenagentur Misch-Mit ging kurz auf die Entstehungsgeschichte der Kooperation ein. Die Freiwilligenagentur war auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten, um Menschen mit einem Handicap eine gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Der „Grüne Planet“ wiederum rekrutiert seine ehrenamtlichen Mitglieder unter anderem über die Freiwilligenagentur. Und so machten sich die drei Einrichtungen gemeinsam auf den Weg, um rund um das Thema Natur und Umwelt unterschiedlichste Themen für freiwilliges Engagement anzubieten. „Die ganze Mühe und Geduld hat sich gelohnt. Es ist eine tolle Gruppe mit etwa 20 Personen entstanden, aus vielen gesellschaftlichen Bereichen, mit Menschen mit und ohne Handicap, aus dem Ehrenamt und aus dem Hauptamt“, sagte Kienert.

Inzwischen gibt es auch Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet zu dem Projekt. Und „Natürlich Gemeinsam!“ wurde schon 2019 mit dem Inklusionspreis des Landkreises Oldenburg ausgezeichnet. „Dieser Inklusionspreis wurde mit der heutigen Auszeichnung bestätigt“, sagte Harings. „Die haben hier etwas ganz Tolles auf die Beine gestellt“, fügte er hinzu. Der Landrat betonte, dass dieses Miteinander verschiedenster Menschen eigentlich normal sein sollte.

Das sieht auch die UN so. „Mit diesem vorbildlichen Projekt wird ein deutliches Zeichen für das Engagement an der Schnittstelle von Natur und sozialen Fragen in Deutschland gesetzt“, heißt es in einer Mitteilung der Weltorganisation. Die UN verleiht die Auszeichnung vorbildlichen Projekten, die mit ihren Aktivitäten auf die Chancen aufmerksam machen, die die Natur mit ihrer biologischen Vielfalt für den sozialen Zusammenhalt bietet.

Die Gartenarbeiter der Diakonie Himmelsthür aus dem Wohnprojekt Kleine Straße sind ein- oder zweimal in der Woche im Garten aktiv. Sie kümmern sich um zwei Hochbeete und um ein großes, mit Findlingen eingefasstes Blumenbeet. „Die Früchte des Apfelbaums werden auch schon mal zu Apfelkuchen oder Apfelmus verarbeitet“, berichtete Helga Weller, Bereichsleitung der Tagesförderung in der Diakonie Himmelsthür.

In den vergangenen zwei Jahren wurden viele Aktionen von „Natürlich Gemeinsam!“ umgesetzt. Es gab einen Tag des offenen Gartens mit Pflanzenworkshops und einem Rohkostbuffet. Außerdem gab es gemeinsame Ausflüge in ein Arboretum, in einen Essgarten und zu einem gemeinsamen Grillfest in Hude. Im Garten werden die verschiedensten Gemüsesorten wie Karotten, Radieschen oder auch Kräuter biologisch angebaut. Es wurden Blühwiesen geschaffen, die den Insekten zugute kommen.

Rafael Klein, Vorsitzender von “Grüner Planet“, wies darauf hin, das sich auch Einzelpersonen am Gartenprojekt beteiligen können. Man muss dazu kein Vereinsmitglied sein. Generell freut sich der “Grüne Planet“ über weitere Aktive, denn von den 75 Mitgliedern sind nach Kleins Aussagen derzeit nur etwa zehn bis 15 wirklich richtig aktiv. Neben dem Garten am Stadtwall organisiert der Verein unter anderem Müllsammelaktionen und veranstaltet einen „Tag im Park“ mit Musik und Informationen rund um Natur- und Umweltschutz.

Neben den Urkunden für die drei beteiligten Organisationen gab es auch ein Auszeichnungsschild, das öffentlich auf den Erfolg aufmerksam machen soll. Und es gab einen „Vielfalt-Baum“, der symbolisch für die Naturvielfalt steht.

Das Wildeshauser Gartenprojekt „Natürlich Gemeinsam!“ ist mittlerweile auch auf der Internetseite der UN-Dekade in Deutschland unter www.undekade-biologischevielfalt.de zu finden.

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