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Kinder auffangen

von Martin Siemer

Fachtag: Arbeit mit Kindern psychisch kranker Eltern

WILDESHAUSEN/msi. Rund 3,8 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland wachsen mit sucht- und psychisch kranken Eltern auf. Die Kinder müssen oft früh Verantwortung übernehmen, wodurch ihre eigene Entwicklung leidet. Der Fachtag „Arbeit mit Kindern psychisch kranker Eltern“ befasste sich mit eben diesem Thema.
120 Teilnehmer aus Kindertagesstätten, Schulen, Hebammen, Ärzte und aus der Jugendhilfe waren am Mittwochmorgen ins Kreishaus nach Wildeshausen gekommen. Insgesamt ein Thema, mit dem viele Berufsgruppen befasst sind.
Organisiert hatten den Fachtag Beate Pollack vom Jugendamt, Rabea Beyer und Martina Plagge von der Gesundheitsregion, Simone Ruge vom Gesundheitsamt und Maria Rüschendorf von der Fachstelle Sucht der Diakonie.
Die Anregung zu der Veranstaltung kam aus dem Netzwerk Frühe Hilfen. Dort wurde thematisiert, dass es keinerlei Unterstützung oder Zuständigkeiten für Kinder von psychisch kranken Eltern gibt. 2013 wurde das Netzwerk Frühe Hilfe gegründet. Die Gesundheitsregion gibt es seit 2015.
„Erzieher und Erzieherinnen in Kindertagesstätten haben oftmals ein Bauchgefühl, dass etwas nicht richtig läuft. Aber es gibt Unsicherheiten, wie sie die Kinder auffangen können, wo es Hilfen gibt“, berichtete Rabea Beyer. „Viele wünschen sich auch mehr ‚Bordmittel‘ um helfen zu können“, ergänzt Beate Pollack.
Diesem Wunsch wurde mit dem Fachtag Rechnung getragen. Neben Fachvorträgen hatten die Teilnehmer viel Gelegenheit zum Austausch untereinander. „Wir scheinen damit ein wichtiges Thema aufgegriffen zu haben“, sagte Pollack. Denn es hätten sich deutlich mehr Interessierte angemeldet, als die Veranstaltung Platz bot.
Landrat Carsten Harings betonte bei der Begrüßung, wie wichtig die Arbeit mit Kinder sei. „Sie legen für diese ganz jungen Menschen den Grundstein fürs Leben“, sprach der Landrat die Teilnehmer direkt an.
Dr. Claus Bajorat, Leitender Arzt der Tageskliniken in der Karl-Jasper-Klinik, ging dann der Frage nach, ob psychische Störungen in der heutigen Zeit häufiger werden. Und wie sich diese Entwicklung auf die Elternschaft auswirkt.
Dr. Michael Hipp, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes im Kreis Mettmann, referierte über traumatischen Stress in der Familie und über dessen Auswirkungen auf das elterliche Fürsorgeverhalten.
Am Nachmittag hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich in sieben Workshops intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dabei ging es unter anderem um Gespräche mit psychisch kranken Eltern für das Kindeswohl, über die Dynamik in Suchtfamilien oder um ein Präventionsprojekt zum Thema seelische Gesundheit.
Nach der erfolgreichen Premiere des Fachtags ist eine Wiederholung nicht ausgeschlossen. „Wir müssen sehen, ob wir das vielleicht zu einem anderen Thema machen“, waren sich Pollack und Beyer einig.

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