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Ingenieurskunst trifft Kreativität

von Martin Siemer

Wildeshauser Tüftler - Hartwig van Düllen bemalt Ostereier mit einer eigens konstruierten Anmalmaschine

Wildeshausen. Kunst und Malerei sind Hartwig van Düllen förmlich in die Wiege gelegt worden. Sein Vater, der ebenfalls Hartwig heißt, ist Maler und Anstreicher. Zur Osterzeit tauschte van Düllen Senior jedoch große Wandflächen gegen filigrane Hühnereier, die er kunstvoll verzierte. Dessen Sohn, 1962 geboten, faszinierte dieses künstlerische Talent. „Mein Vater konnte mit Filzstiften oder anderen Stiften unglaublich gut malen. Auf die Ostereier brachte er ganze Landschaften“, erinnert sich Hartwig van Düllen. Es entstanden auch Schwarz-Weiß-Zeichnungen, die ganze Buchbände füllten. Irgendwann fing er selbst an, Ostereier zu bemalen, auch Landschaftsmotive entstanden, wenngleich sein beruflicher Werdegang später ein völlig anderer wurde.

Schnell nervte es ihn, dass er die bemalten Eier immer wieder mit den Fingern anfassen musste: „Man greift dabei ja auf die schon bemalten Flächen.“ Abhilfe musste gefunden werden. Das erste Version einer Ostereier-Anmalhaltehilfe entstand. „Wie das immer so ist, fängt man mit etwas einfachem an“, sagt van Düllen. Er bog sich einen Draht zurecht, den er in einen Holzstiel steckte. In einer späteren Version saß dieser Draht dann noch auf einer Kugelschreiberfeder, damit er nachgiebig war.

Den Draht wiederum führte er durch ein Loch in ein ausgeblasenes Hühnerei und fixierte das Ganze mit dem Bindfaden, an dem das Ei später aufgehängt wurde. Das Ei saß fest auf der Halterung und ließ sich leicht bemalen. Allerdings war dabei immer nur eine Hand frei, die andere musste ja das Ei halten. „Als ich fertig war, habe ich gedacht, es wäre schön, wenn man das Ei drehen könnte.“ Also ersann van Düllen eine Halterung, in der er den Stiel mit dem Ei ablegen und feststellen konnte. Jetzt konnte er das Ei bemalen und dabei eine Hand als Führung für die andere verwenden. Gleichzeitig ließ sich das Ei immer wieder ein Stück weiter drehen. Gut zwei Jahre, immer zur Osterzeit, tüftelte er an der ganzen Apparatur.

Doch auch damit war er letztendlich nicht zufrieden. „Wenn man Landschaften auf das Ei malte, dann stellte man oft fest, dass der Horizont auf der anderen Seite schief war.“, erklärt er. Van Düllen, der inzwischen bei der Bundeswehr in Hamburg Maschinenbau studierte, sann erneut nach einer Lösung: „Mein erste Gedanke war, die Drehung mit einer Bohrmaschine zu erzeugen. Aber die lief zu schnell.“ Also tüftelte er weiter, baute einen alten Kassettenrekorder auseinander und nutzte diesen Motor als Antrieb. Die Drehbewegung wird mittels Gummiring auf eine Holzscheibe übertragen, die van Düllen selbst gedrechselt hat. Als Halterung für den Stab mit dem zu bemalenden Ei verwendete er die Lenkerhalterung von einem Fahrrad, in die er einen Holzstiel einpasste.

Die ganze Maschine funktionierte auf Anhieb. Van Düllen sitzt davor, hält den Pinsel mit der Farbe auf das Ei und kann so gleichmäßige Hintergründe erschaffen. „Die Halterung mit dem Holzstiel und dem Draht war der Anfang, das hier ist die Luxusvariante“, sagt er stolz. Doch auch das einfache Modell scheint gut zu funktionieren. Immerhin hat er von dem Holzstiel-Draht-Halter 40 Stück für den Kinderspielkreis in Kleinenkneten gefertigt.

„Man sitzt da und muss diese Eier auspusten, das ist einem Maschinenbauer fast unwürdig.“ Hartwig van Düllen

DieOstereiermalerei ging jetzt deutlich einfacher vonstatten. Das Einzige, was den Maschinenbauingenieur störte, war das Vorbereiten der Eier: „Man sitzt da und muss diese Eier auspusten, das ist einem Maschinenbauer fast unwürdig.“ Aber findig wie er ist, ersann er auch dafür eine Lösung. Aus einer Lüftungseinheit für ein Aquarium, zwei Stäben, etwas Kunststoffrohr, einem Stück Schlauch und einer stumpfen Kanüle aus der Arztpraxis konstruierte er eine Eierausblasmaschine. Das Ei wird dazu nur noch auf der spitzen Seite angestochen, dann auf das Rohr mit der Kanüle gesetzt. Durch diese strömt die Luft in das Ei und drückt den Inhalt nach draußen. Über den Abfluss im Rohr werden Eidotter und Eiklar aufgefangen. Im Gegensatz zu den beiden Anmalmaschinen ging diese Konstruktion sehr schnell von statten. „Die Idee mit der Ausblasmaschine habe ich innerhalb von einem Tag umgesetzt“, verrät Hartwig van Düllen.

Bei so viel technischer Unterstützung versteht es sich von selbst, dass im Hause der van Düllens eifrig Ostereier bemalt werden. „Wir haben im Moment wohl rund 200 bemalte Ostereier im Haus, aber bestimmt das Doppelt schon verschenkt“, erzählt er. Merkwürdig findet van Düllen allerdings, dass beim ihm zuhause immer wieder die schönsten Ostereier verschwinden. Das dürfte wohl auch daran liegen, dass die Eier mit den verschiedensten Motiven verziert werden. In der Sammlung finden sich solche mit Musiknoten, Segelschiffen vor der untergehenden Sonne oder grasgrüne Landschaften.

Der Maschinenbauingenieur, der im Berufsleben Wärmetauscher für die Industrie entwickelt und konstruiert, hat neben den Ostereiern noch eine zweite Leidenschaft: Fahrräder. Was im Alter von zwölf Jahren als Bastelhobby begann, hat inzwischen andere Dimensionen angenommen. Regelmäßig ist van Düllen im Jugendzentrum Wildeshausen anzutreffen, um dort gemeinsam mit Jugendlichen Fahrräder zu reparieren.

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