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7500 Kilometer rund um die Ostsee

von Martin Siemer

Dötlinger Katharina und Thomas Logemann sind die Benefiz-Rallye Baltic Sea Circle gefahren

Dötlingen. Mit einem 27 Jahre alten Volvo eine rund 7500 Kilometer lange Rallye rund um die Ostsee zu bestreiten, ist schon eine verrückte Sache. Katharina (47) und Thomas (51) Logemann haben diese verrückte Sache durchgezogen. Das Paar aus Aschenstedt in der Gemeinde Dötlingen startete im Juni bei der Rallye „Baltic Sea Circle“.
„Ich wollte das vor einige Jahren schon mal mit einem Kumpel zusammen machen. Das hat sich damals aber zerschlagen“, erzählt Thomas Logemann. 2019 aber wollte er die Rallye unbedingt fahren. Die Suche nach einem Partner begann im Frühjahr 2018, erfolglos. Aber da ist ja noch Ehefrau Katharina, mit der er in diesem Jahr 25 Jahre verheiratet ist. Und so war das „Silver-Dream-Team“ geboren. Die beiden Rallye-Piloten legten beim Veranstalter „Superlative Adventure Club (SAC) ein Profil an. Zum neunten Mal hatte der „SAC“ den „Baltic Sea Circle“ in diesem Jahr initiiert.
„Im August 2018 haben wir angefangen, ein passendes Auto zu suchen.“ Der Familienwagen, ein Kia Carnival, kam nicht in Frage. Denn die Rallyefahrzeuge dürfen nicht jünger als 20 Jahre sein. Thomas Logemann machte einen Volvo P 245 Kombi, Baujahr 1992, ausfindig. Ein Auto, das seine Frau unbedingt haben wollte. „Wir wollten ja auch im Auto schlafen. Und der Volvo bietet viel Platz.“ Im September meldeten sich die „Silver Dreamer“ dann offiziell für den „Baltic Sea Circle“ an.
Zwischen Weihnachten und Neujahr schraubte und schweißte Thomas Logemann, ausgebildeter Kfz-Handwerksmeister, am Volvo herum. Beim Probeliegen stellte das Paar dann fest, dass der Platz im Volvo doch beengt war. Eine andere Lösung musste her. „Wir haben dann ein Dachzelt gekauft, das haben andere Teams auch im Einsatz“, erzählt Katharina Logemann und ihr Ehemann ergänzt „Das war genau die richtige Entscheidung.“ Im April 2019 gab es ein ersten Treffen mit Teams aus Hamburg, später noch ein weiteres in St.-Peter-Ording. „Das war richtig klasse. Obwohl man sich nicht kannte, haben sich schnell Freundschaften gebildet“, berichtet Katharina Logemann.

280 Teams am Start

Am 15. Juni startete insgesamt 280 Teams aus Deutschland, Dänemark, Belgien, Österreich und weiteren europäischen Ländern am Hamburger Fischmarkt. Von dort ging es in 16 Tagen über Dänemark, Schweden, Norwegen zu den Lofoten und weiter zum Nordkap. Über Finnland, Russland, Estland, Lettland und Litauen führte die Route durch Polen zurück nach Hamburg. „Am 30. Juni gab es den Zieleinlauf, wieder am Fischmarkt“, erzählt Thomas Logemann. Am Tag zuvor hatten aber mehrere Teams ein ganz besonderes, emotionales Erlebnis. Sie erfüllten einem kleinen, dreijährigen Jungen einen ganz besonderen Wunsch. „Der Kleine ist an Leukämie erkrankt und wünschte sich so sehr, im Konvoi mitzufahren. Das haben wir realisiert.“ sagt Katharina Logemann. „Das war emotional schon ziemlich an der Grenze, oder auch darüber hinaus“, ergänzt ihr Ehemann.
Dass die Teilnehmer alle ohnehin ein sehr soziale Ader haben, zeigt sich auch daran, dass jedes Team für ein gemeinnütziges Projekt mindestens 750 Euro sammeln musste. Katharina und Thomas Logemann entschieden sich für die Lebensbrücke Aktion‚ "gegen Kinderarmut in Deutschland – kostenloses Frühstück für arme Kinder‘‘. „Ich kenne das aus meiner täglichen Arbeit als pädagogische Mitarbeiterin an einer Schule, dass es immer wieder Kinder gibt, die ohne Frühstück zur Schule kommen“, erzählt Katharina Logemann. Statt der erforderlichen 750 Euro brachten Logemanns 1300 Euro zusammen.
Nach dem Zieleinlauf hatte der Volvo rund 9000 Kilometer mehr auf dem Tacho. Denn die Route der Rallye ist nicht genau vorgegeben. Zwar gibt es gewisse Kontrollpunkte und Aufgaben, die angefahren und abgearbeitet werden müssen. Ansonsten sind die Teams in der Routenwahl jedoch frei. Eine der Aufgaben bestand darin, den ersten Tourbus der Band „Abba“ ausfindig zu machen. „Der stand in Ryd in Schweden“, sagt Thomas Lindemann. „Surströmming“ lautete eine andere Aufgabe. Dabei musste eine geöffnete Dose sauer eingelegter Heringe 200 Kilometer im Auto transportiert werden. „Der Geruch war schon echt widerlich“, befand Thomas Lindemann. Am Ende wurden die Heringe dann auch noch verzehrt. Auch das kein Genuss.
Als das „Silver-Dream-Team“ im Ziel war, waren beide geschafft, aber glücklich und zufrieden. „Da fällt viel von einem ab. Die Reise war einfach nur super genial“, sind sich beide einig. Und Thomas Lindemann ist auf den Geschmack gekommen. 2021 will er eventuell bei der „Knight of Island“ starten, die durch Südengland, Wales und Schottland führt. Ob ihn Ehefrau Katharina dann begleitet, ist noch nicht sicher. Denn zumindest eines der drei Kinder will ebenfalls am Baltic Sea Circle teilnehmen, wenn es dann endlich 18 Jahre alt ist und den Führerschein besitzt. 7500 Kilometer rund um die Ostsee Dötlinger Katharina und Thomas Logemann sind die Benefiz-Rallye Baltic Sea Circle gefahren

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