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Gewerbegebiet Wildeshausen-West: Investor insolvent

von Martin Siemer

Stadtverwaltung hält an Entwicklungsplanung fest

Wildeshausen. Die Realisierung des Industrie- und Gewerbegebiets Wildeshausen-West an der Autobahn A 1 steht wieder in den Sternen. Investor Harro Taube hat für seine Taube Port of Logistics GmbH am 22. Oktober 2019 Insolvenz angemeldet. Taube wollte in Wildeshausen in unmittelbarer Nähe zur Autobahnanschlussstelle Wildeshausen-West auf einer Fläche von zehn Hektar einen modernen Autohof mit Stellplätzen für Lastwagen, einer Wasserstofftankstelle und einem Fast-Food-Restaurant bauen.

Zudem verhandelte er seinerzeit mit einem Schweizer Feinkostunternehmen, welches seine Produktion in die Kreisstadt verlagern wollte. Weitere Unternehmen wollte Taube ebenfalls in das neue Industriegebiet locken und auch Flächen für Wildeshauser Firmen anbieten, die sich entwickeln wollten. Von mehreren hundert Arbeitsplätzen war damals die Rede. Zwischenzeitlich waren jedoch einige der Unternehmen, die Taube nach Wildeshausen holen wollte, abgesprungen, unter anderem wohl auch wegen der langen Dauer des Verfahrens.

„Es ist keine wirtschaftliche, sondern eine strategische Insolvenz. Einer der Vertragspartner ist nicht zu einem Konsens bereit“, erklärte Harro Taube auf Nachfrage unserer Zeitung. Bereits im Sommer hatte er beklagt, dass einer der beiden Verkäufer der Grundflächen immer neue Forderungen gestellt habe. „Ich habe den Schritt der Insolvenz gewählt, weil der Insolvenzverwalter andere Möglichkeiten hat.“ Taube hält an dem Projekt in Wildeshausen fest. „Ich habe andere Partner ins Boot geholt. Auch die Stadt Wildeshausen ist involviert. Das ist ein ganz schwieriges Projekt, das habe ich so noch nicht erlebt. Aber an Wildeshausen hängt so viel dran, da will ich mich nicht einfach zurückziehen“, erklärt er. Rund 100 000 Euro habe er bereits in die Planungen für das Projekt in der Gildestadt gesteckt.

Claus Marx, Wirtschaftsförderer der Stadt Wildeshausen, bestätigte, dass Taube einen Projektnachfolger präsentieren wolle. „Wir halten zunächst an der geplanten Vorgehensweise fest.“ Die Entwicklung mit einem externen Projektierer hätte für die Stadt vor allem auch finanzielle Vorteile. Taube wollte seine anvisierten Flächen auf eigene Kosten erschließen.

Nach Taubes Angaben stehen zwei weitere Autohöfe kurz vor der Realisierung. Jedoch weder in Cuxhaven noch in Dorfmark bei Bad Fallingbostel sind diese beiden Autohöfe nach Informationen unserer Zeitung bislang über den Status der Planungen hinausgekommen.

Die Stadt Wildeshausen ist auf weitere Gewerbe- und vor allem Industrieflächen angewiesen, um sich wirtschaftlich zu entwickeln. Der verfügbare Flächenbestand ist nahezu ausgeschöpft. Zwar entsteht im Osten der Stadt, an der Bundesstraße 213, das interkommunale Gewerbegebiet „Wildeshausen-Nord“, entwickelt von den Gemeinden Dötlingen, Prinzhöfte und der Stadt Wildeshausen. Dort stehen jedoch keine Industrieflächen zur Verfügung. Beim Industriegebiet Wildeshausen-West an der Autobahn A 1 gibt es zudem erheblichen Widerstand der Anwohner. Sie haben eine Interessengemeinschaft gegen das Industriegebiet gegründet und hatten seinerzeit alleine 36 Einwendungen gegen die Änderung des Flächennutzungsplans eingereicht. Zudem kündigten sie rechtliche Schritte gegen die Bauleitplanungen an.

Die Befürworter des Industriegebietes Wildeshausen-West befürchten, dass weitere Unternehmen die Kreisstadt verlassen und in Nachbarkommunen ansiedeln. Das würde den Verlust von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen mit sich bringen.

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