Artikelreferenzen

Ein Schulleiter ohne Schüler

von Martin Siemer

Das Porträt: Andreas Langen übernimmt mitten in der Corona-Krise das Gymnasium Wildeshausen

Wildeshausen. Das Gymnasium Wildeshausen wirkt zurzeit fast verwaist. Zwar sind viele Lehrer in der Schule. Und auch die Hausmeister erledigen ihre Arbeit. Was fehlt, das sind die Schüler. Dass die bald zurück sind, das wünscht sich auch Andreas Langen. Am vergangenen Mittwoch hat der 42-Jährige die Leitung des Gymnasiums übernommen. „Ich hätte mir zum Start gerne etwas Anderes gewünscht als eine Corona-Krise. Ich wünsche mir eine Schule voller Schüler“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Langen wechselte vom Delmenhorster Max-Planck-Gymnasium in die Wittekindstadt. Am „Maxe“ war er seit 2004 tätig, ab 2016 als stellvertretender Schulleiter. Seine Entscheidung, sich auf die Schulleiterstelle in Wildeshausen zu bewerben, hat er ganz bewusst getroffen. „Als die Stelle ausgeschrieben wurde, da habe ich mich erst mal mit Hilfe der Website über das Gymnasium informiert.“ Vorgefunden habe er eine bodenständige Schülerschicht mit einer großen Verbundenheit zur Stadt. „Daran möchte ich gerne weiterarbeiten.“

Andreas Langen freut sich, die Leitung der Schule mit ihrem breit gefächerten Bildungsangebot übernehmen zu dürfen. „Gerade auch die Möglichkeit individueller Schwerpunkte, etwa im Rahmen von Erasmusprojekten, „Jugend debattiert“ und Aktionen des E-Twinning für die Lernenden, haben mich sehr angesprochen.“ Dies im Sinne einer Förderung von individuellen Begabungen und Interessen fortzuführen und auszuweiten und dazu den Schülern mit Leistungsschwächen Fördermöglichkeiten zukommen zu lassen, sei ihm besonders wichtig.

Die vielfältigen Möglichkeiten eines mit musischen, naturwissenschaftlichen, sportlichen und sprachlich-kreativen Angeboten ausgestatteten Ganztags machten das Gymnasium zu einem Ort, an dem nicht nur gelernt werde, sondern in dem sich die Schulgemeinschaft auch gerne aufhalte. Zudem findet der gebürtige Emsländer, dass die Größe Wildeshausens zu Städten wie Leer oder Meppen passt.

In Meppen legte Andreas Langen 1997 das Abitur ab. An der Westfälischen-Wilhelms- Universität in Münster studierte erDeutsch und Katholische Religion auf Gymnasiallehramt. Nach dem Examen 2002 folgte das Referendariat im Studienseminar in Meppen, bevor er nach Delmenhorst wechselte.

Am „Maxe“ sei er früh in Verantwortung gekommen, blickt Langen zurück. So war er zunächst Fachobmann für Religion und ab 2012 Koordinator in der erweiterten Schulleitung. In seiner Zeit als stellvertretender Schulleiter gehörten die Koordination und Organisation der Qualifikationsphase und des Abiturs zu seinen Hauptaufgaben.

Seit 2012 koordinierte Andreas Langen auch den Kooperationsverbund Delmenhorst, eine Zusammenarbeit zwischen dem Gymnasium, vier beteiligten Grundschulen und zwei Kindertagesstätten. Die Initiative dient der Förderung besonderer Begabungen von Kindergartenkindern sowie Schülern. In diesen Verbund waren auch die jeweiligen Fachkollegien einbezogen. Seine neue Aufgabe am Gymnasium Wildeshausen ist zurzeit vor allem von den Vorbereitungen für den Wiedereinstieg in den Schulunterricht geprägt. „Ich bin hier in ein exzellentes Schulleitersystem gekommen“, lobt Langen. Auch das gesamte Lehrerkollegium sei ausgesprochen engagiert. „Das derzeitige Lernen zu Hause läuft sehr gut. Die Kollegen haben das in den jeweiligen Lerngruppen sehr gut im Blick.“

Der Schulbetrieb am Gymnasium beginnt am 11. Mai mit dem zwölften Jahrgang. Am 18. Mai folgen dann die neunten und zehnten Jahrgänge. „Wir sind gerade intensiv damit beschäftigt, alle notwendigen Regelungen umzusetzen, auch im Hinblick auf die Hygiene.“ Aufgrund der räumlichen Ausstattung des Gymnasiums Wildeshausen geht Langen aber davon aus, dass alle Regeln sehr gut eingehalten werden können.

Lage ändert sich täglich

Neben dem Tagesgeschäft hat er aber auch schon mit der Schülervertretung telefoniert. Und auch mit den Elternvertretern hatte er schon Kontakt. „Als Schulleiter ist mir in meinem Handeln besonders wichtig, verbindlich, transparent und konsequent zu sein. Verlässlichkeit ist gerade in der Einbindung der Kollegen, der Schüler, aber auch der Eltern in Schulentwicklungsprozesse unverzichtbar“, betont Langen. Ihm sei aber bewusst, dass durch die Entwicklungen in der Corona-Krise diese Verbindlichkeit teilweise nicht eingehalten werden könne, weil sich die Lage täglich ändere. Als eine der ersten Maßnahmen hat Langen die telefonische Schulleitersprechstunde eingeführt. Schüler, Eltern, aber auch die Lehrkräfte können sich werktags zwischen 9 und 10 Uhr direkt an ihn wenden.

Andreas Langen sieht sich selbst als „pädagogischer Überzeugungstäter, als Lehrer mit Leib und Seele“. Er habe stets einen engen Schülerkontakt gepflegt, vor allem in der Gestaltung von Bildungswegen, war aber auch in Sorgen und Nöten der Schüler beratend tätig und somit stets auch pädagogisch engagiert. „Für mich haben sich die koordinierenden Aufgaben in der Schulleitung nicht mit der ursprünglichen Tätigkeit eines Lehrers widersprochen, zumal ich auch durch die Organisation von Kompetenztagen und Akademien sowie die Förderung besonderer Begabungen von Schülern eine enge persönliche Bindung zu Lernenden eröffnete.“ Dieses möchte er auch am Gymnasium Wildeshausen fortführen.

Mit seiner neuen Wirkungsstätte hat sich sein Arbeitsweg ziemlich verlängert. Denn von von seinem Wohnort Heide in der Gemeinde Ganderkesee ist es für den Familienvater deutlich weiter nach Wildeshausen als zum „Maxe“ in Delmenhorst.

Zurück